Immanenz: Ein Leben … Friedrich Nietzsche

Arno Böhler

Abstract


Im ersten Teil verhandelt der Text Nietzsches These, dass transzendente Interpretationen des Lebens in einer verborgenen Aggression lebendiger Organismen gegen das Leben als solches basieren. Nietzsche war vermutlich der Erste, der davon ausging, dass „metaphysische Annahmen“ in einem falschen Bild des Denkens gründen, das nicht zufällig, sondern konstitutiv den Blick auf unsere Instinkttätigkeiten verdrängt, die in den Souterrains unserer Leiblichkeit am Werk sind.

Um zu begreifen, was für Nietzsche im Problem „Transzendenz versus Immanenz“ auf dem Spiel steht, muss man daher sein neues Konzept des Körpers untersuchen. Körper werden von ihm nicht mehr als massive, an sich seiende Dinge gedacht, sondern als weltweit exponierte Entitäten, die einer Vielheit von Kräften ausgesetzt sind. Einerseits den Kräften, die in den Souterrains der Leiblichkeit mehr oder weniger unbewusst am Werk sind, andererseits den Kräften, die Körper in ihrem In-der-Welt-sein von außen her weltweit affizieren.

Im zweiten Teil wird das Forschungsfestival Philosophy On Stage#4. Nietzsche et cetera (Tanzquartier Wien 2015) als Beispiel eines kunst-basierten Philosophierens analysiert, das der Philosophie ihre Leiblichkeit, Materialität und Sinnlichkeit zurückgibt, indem es den Akt des Philosophierens auf der Bühne ausstellt und damit leiblich exponiert. Eine philosophische Denkungsart, die für Nietzsche in Opposition zum klassisch asketischen Bild des Denkens steht und daher einer neuen Gattung von Künstlerphilosoph_innen bedarf, die bereit und willens sind, mit Nietzsches Zarathustra zu fordern: „bleibt der Erde treu“.


Keywords


Nietzsche; Asketisches Ideal; Hinterwelt; Leib; Körper; Kunst; Künstlerische Forschung; Kusntbasiertes Philosophieren; Philosophy on Stage; Performance; Immanence

References


Böhler, Arno, und Susanne Granzer. 2015. „Philosophy on Stage#4.” Leporello zum Forschungsfestival Philosophy on Stage#4, Wien, Österreich, November 26-29.

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DOI: https://doi.org/10.21476/PP.2017.32176

Copyright (c) 2017 Arno Böhler

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