“The Shadow of One’s Own Head” oder Das Spektakel der Kreativität

Authors

  • Susanne Valerie Granzer University of Music and Performing Arts Vienna

DOI:

https://doi.org/10.21476/PP.2017.32180

Keywords:

Schauspieler, Theater, Korporale Performanz, Schöpferischer Prozess, Künstlerische Forschung, Philosophie, Theaterwissenschaft, Kunst, Performance Philosophy

Abstract

Während des Spielens erfährt die Schauspieler_in ein komplexes Regime an Zeichen in Körper, Geist, Gemüt und Geschlecht. Sie sind verstörend und verheißungsvoll. Einerseits wird im Akt der Kreativität eine Wunde offenbar, die sich im Menschen inkarniert hat. Sie gibt ihm zu verstehen, dass er nicht alleiniger Täter seines Tuns ist. Andererseits wird gerade dadurch das Spiel auf der Bühne zum Ereignis. Im Akt dieses Ereignisses zeigt sich eine Form des Werdens (be-coming), in der man handelt (act) und gleichzeitig nicht handelt, in der die Schauspieler_in zugleich agens und patiens ihrer eigenen Performance ist. Diese komplexe künstlerische Erfahrung katapultiert die Akteur_innen in eine offene Passage, in ein Dazwischen (in-between), in dem sie von der Illusion befreit werden, alleinige Täter_innen ihrer Performance zu sein. Man könnte formulieren, die Schauspieler_in erfährt in diesem Umschlag eine Verwandlung, eine „anthropologische Mutation“ (Agamben). Oder anders gewendet, die Künstler_in erleidet eine Art „Tod des Subjekts“.

Es ist bemerkenswert, dass dieser Verlust der Dominanz der Subjektivität ein entscheidender Aspekt des Spielens ist, der besonders intensiv auf das Publikum wirken kann. Warum? Vielleicht weil er eine äußerst intime Verbindung zwischen Zuschauer_innen und Spieler-innen aktualisiert, die das Zwischen von Leben und Tod stellvertretend widerspiegelt. Eine Passage, in der sich das Leben als es selbst zeigt? Leben—in seiner Ebene der Immanenz?

Author Biography

Susanne Valerie Granzer, University of Music and Performing Arts Vienna

Susanne Valerie Granzer ist seit 1989 Professorin im künstlerischen Fach Rollengestaltung an der Universität für Musik und darstellende Kunst Wien, Max Reinhardt Seminar.

Ausbildung zur Schauspielerin am MRS Wien. Anschließend 18 Jahre lang Engagements in zentralen Rollen am Theater in der Josefstadt, Volkstheater Wien, Theater Basel, Düsseldorfer Schauspielhaus, Schauspielhaus Frankfurt am Main, Schillertheater Berlin und Burgtheater Wien. Parallel Studium der Philosophie an der Goethe-Universität Frankfurt am Main und der Universität Wien. Promotion 1995.

1997 gemeinsam mit dem Philosophen Arno Böhler Gründung der wiener kulturwerkstätte GRENZ_film. Zahlreiche Lecture-Performances „Philosophy On Stage“. Mitbegründerin von BASE (Forschungszentrum für artistic research und arts-based philosophy, Indien) und Leiterin des dortigen Residenz-Programms.

FWF-Forschungsprojekte (Kooperationspartnerin): 2005–2007 „Materialität und Zeitlichkeit performativer Sprechakte“ (P17600). 2010–2013 „Korporale Performanz/Generating Bodies“ (TRP12-G21), 2014–2017 „Artist-Philosophers. Philosophy AS Arts-based-research” (AR 275-G21). Veröffentlichungen u.a.: Schauspieler außer sich. Exponiertheit und performative Kunst, Transcript Verlag, Bielefeld März 2011, zweite Auflage 2014. Actors and the Art of Performance. Under Exposure, Palgrave Macmillan 2016.

References

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Published

21-12-2017

How to Cite

Granzer, S. V. (2017). “The Shadow of One’s Own Head” oder Das Spektakel der Kreativität. Performance Philosophy, 3(2), 436–446. https://doi.org/10.21476/PP.2017.32180

Issue

Section

Künstler-Philosoph_innen—Philosophen-Künstler_innen. Immanenz schreiben