„Ein Kunstwerk enthält nicht die geringste Information“. Deleuze, Guattari und die zeitgenössische Kunst

Authors

  • Stephen Zepke Independent researcher

DOI:

https://doi.org/10.21476/PP.2017.32188

Keywords:

philosophy, Deleuze, Kant, contemporary art, photography, aesthetics, sublime, immanence

Abstract

Deleuzes und Guattaris Zurückweisung der Konzeptkunst ist allgemein bekannt und passt so garnicht zur derzeitigen Hegemonie der “post-konzeptionellen” Kunstpraktiken. Genauso unpassend erscheint Deleuzes ontologische und politische Abneigung gegen die Photographie, die „Schnappschüsse“ oder Repräsentationen des Werdens liefert, indem sie Klischeebilder unmittelbar in unserer Gehirne pflanzt, die dann unsere Handlungen und Reaktionen kontrollieren, indem sie uns der Fähigkeit zum kreativen Denken berauben. In Cinema 2 weitet Deleuze diese Argumentation auf das neue “elektronische Bild” aus das, wie auch die Konzeptkunst, die Ebene der Komposition in eine „Schneidetischebene“ oder einen „Bildschirm“ verwandelt, welche Informationen und mit ihnen unsere zu Schnittstellen gewordenen Gehirne einfach nur formatieren. Heutzutage werden Konzeptpraktiken, Photographie und digitale Technologien von der zeitgenössischen Kunst als selbstverständlich angesehen, die auch fröhlich „D&G“ anwendet. Doch verdienen Deleuzes und Guattaris Gedanken nicht eine kritischere Würdigung? Braucht es nicht eine kleinere Kriegsmaschine? Wie sähe die aus im Falle der zeitgenössischen Kunstpraktiken? Unter den diversen Möglichkeiten untersucht der vorliegende Text die sublimen Verzweigungen einer Deuleuzeschen Vorstellung des “Denkens” sowie dessen Position als des „immanent Äußeren“ der post-konzeptionellen Richtung der Kunst

Author Biography

Stephen Zepke, Independent researcher

Stephen Zepke ist ein unabhängiger Forscher und lebt in Wien. Er ist der Autor von Art as Abstract Machine, Ontology and Aesthetics in Deleuze and Guattari (Routledge, 2005) sowie Sublime Art, Towards a Philosophy of the Future (EUP, 2017). Er ist Mitherausgeber von Deleuze, Guattari and the Production of the New (Continuum, 2008), Deleuze and Contemporary Art (EUP, 2010) (beide mit Simon O’Sullivan) sowie Art History After Deleuze and Guattari (Leuven, 2017) (mit Sjoerd van Tuinen).

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Published

21-12-2017

How to Cite

Zepke, S. (2017). „Ein Kunstwerk enthält nicht die geringste Information“. Deleuze, Guattari und die zeitgenössische Kunst. Performance Philosophy, 3(2), 513–530. https://doi.org/10.21476/PP.2017.32188

Issue

Section

Immanenz in zeitgenössischer Philosophie und den Künsten