Theatralische Immanenz: Der deus ex machina nach dem Tod Gottes

Freddie Rokem

Abstract


Das Auftreten übernatürlicher Geschöpfe auf der Theaterbühne, die in den Verlauf der Handlung intervenieren – wie der deus ex machina – ist mit dem „Tod Gottes“ nicht zu einem Ende gekommen. Es kann von zwei Perspektiven betrachtet werden: zuerst als ein meta-theatralisches Instrument, durch welches das theatralische Medium selbstreflexiv, manchmal sogar spielerisch, seine eigenen Bedingungen und Grenzen erforscht, als integraler Aspekt des theatralischen Apparates, oder seines Dispositivs; und zweitens von einer philosophischen oder theologischen Perspektive, wobei es die Frage aufwirft, warum es weiterhin als eine machtvolle Metapher dient – nicht nur für eine offene Zukünftigkeit, durch die utopische Begriffe kritisch reflektiert und neu figuriert werden, sondern auch für ideologische, soziale und persönliche Konflikte, wobei es oftmals sogar starke Elemente von Exzess, Gewalt und Grausamkeit impliziert. Der Artikel diskutiert diese theoretischen Fragen und erläutert sie anhand von Beispielen aus der Dreigroschenoper von Bertolt Brecht und Elisabeth Hauptmann.


Keywords


Dispositive des Theaters; Bertolt Brecht; Walter Benjamin; 'Metaphysischer Materialismus'; Die Drei Groschen Oper

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DOI: https://doi.org/10.21476/PP.2017.32181

Copyright (c) 2017 Freddie Rokem

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